Spratzern, das heute zu St. Pölten gehört, wurde in den Jahren des ersten Weltkrieges zum Gefängnisort für mehr als 50.000 Kriegsgefangene, was mit der heutigen Einwohnerzahl St. Pöltens gleichzusetzen ist. Die überwiegende Mehrheit der Kriegsgefangenen waren Militärangehörige der russischen Armee. Mindestens 1820 Menschen starben wegen schwerer Lebensbedingungen. Anlässlich der 100 Jahre Schließung des Lagers 1919 wurden die Opfer dieser dramatischen Ereignisse geehrt.
Am Anfang hielten in der ehemaligen hölzernen Lagerkirche, die einst mit den Händen der Kriegsgefangenen gebaut und später in die Siedlung Zagging überstellt wurde, Hieromnachos Ioann Krammer und der Sekretär der Wiener und Österreichs-Diözese ROK Protodiakon Viktor Schilowskij die feierlich Totenmesse ab. Beim Gottesdienst sang der am RKI tätige Wiener Russenchor unter der Leitung von Ekaterina Maleina.
Danach sprach man am Friedhof Spratzern ein ökumenisches Gebet von Vertretern unterschiedlicher Konfessionen vor. Zusätzlich fand dort die Zeremonie der Kranzniederlegung von den Botschaften Weißrusslands, Russlands und der Ukraine sowie von der Stadt St. Pölten, den Streitkräften Österreichs und vom „Schwarzen Kreuz“ - österreichische Organisation, die die Militär-Grabstätte pflegt, statt. An der Zeremonie nahm der Botschaftsrat der Botschaft RF in Österreich Igor Nikitin, der Handelsvertreter der RF in Österreich Alexandr Potemkin und der Direktor des RKI in Wien Dmitrij Sokolow teil. Die Zeremonie wurde vom Gesang des Wiener Russenchors sowie vom Spiel des Militärorchesters Niederösterreichs begleitet. Nach der Kranzniederlegung erklang am Friedhof die nichtoffizielle Hymne der russischen Armee „Kol´ slawen“ von Dmitrij Bortnjanskij.
Als Abschluss dieses ereignisreichen Tages fand im Volksheim des Bezirks Spratzern unter großem Bevölkerungszustrom der Gedenkakt, statt, im dessen Rahmen das Oberhaupt des Archivs von St. Pölten Thomas Lösch einen Vortrag über die Lagergeschichte hielt. Der Bürgermeister von St. Pölten Matthias Stadler erzählte über das Projekt der Internetpublikation von den Listen der im Lager Verstorbenen. In seiner Rede erinnerte er auch an die Kriegsgefangenenlager des Zweiten Weltkrieges, die sich auf dem städtischen Territorium befinden.
Die musikalische Begleitung des Gedenkaktes kam vom Vokalensemble „Golubuschki“, das ebenfalls am Standort des RKI in Wien tätig ist. Es erklangen russische Volkslieder. Die Moderatoren des Abends Thomas Lösch und Professor Hieromonachos Ioann Krammer dankten von der Bühne den Chor sowie das Russische Kulturinstitut für die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung.