Führender Spezialist des wissenschaftlichen Zentrums für Epidemiologie und Mikrobiologie Gamaleia erzählt über die Vorteile des aktuellen russischen Impfstoffs gegen Coronavirus in seinem Interview zu Rossotrudnichestvo.
- Seit über 250 Jahren werden in unserem Land Impfungen durchgeführt. Wie war es im russischen Imperium und in der Sowjetunion?
- Die Erfahrung russischen Imperiums ist nicht eindeutig, weil wir Beispiele für positive und negative Zusammenarbeit hatten. Zum Beispiel: die ganze Geschichte der Pockenimpfung. Katharina die Große impfte sich und ihren Sohn Paulus und später wurden Alexander der Ersten und seine ganze Familie geimpft. Es war die gemeinsame Arbeit der Biologen mit Louis Pasteur. Die Entstehung der Pasteur-Stationen ist ein äußerst positives Beispiel. Unsere wissenschaftlichen Mitarbeiter arbeiteten im Pasteurs Labor in Paris. Die Ausländer kamen zu uns, wir unternommen die Reisen zu ihnen. In dieser Zeit zeigte sich Nikolai Gamaleia, welcher damals seine Karriere begann und zu Ehren von welchem das Institut benannt wurde. Michail Morozov war der erste, der die Bilder vom Pockenimpfstoff gemacht hatte.
Es gibt auch eine nicht sehr erfolgreiche Erfahrung mit dem Impfstoff gegen Pest, als der auf dem Territorium russisches Imperiums geborene Wladimir Haffkin, ein herausragender Virologe, der die ersten Impfstoffe gegen Pest und Cholera entwickelte, im Alter von 18 Jahren aufgrund revolutionärer Ereignisse gezwungen war, das Land zu verlassen. Später erstellte das Team sowjetischer Wissenschaftler ein Serum, das sich auf seinem Serum basierte.
In der Sowjetunion gab es zwei Beispiele für die gemeinsame Arbeit mit den ausländischen Spezialisten. Dies sind Therapie mit Bakteriophagen und Polioimpfstoff. In den 70er Jahren arbeiteten unsere Wissenschaftler an verschiedenen Krankheiten, darunter Alzheimer, in Frankreich. Ein zweites Beispiel ist die Arbeit an einem Polioimpfstoff. Die Koordinierung der Arbeiten hörte auch nicht in der Zeit des "Eisernen Vorhangs" auf. Alles endete mit einem vollständigen Triumph der Wissenschaft: Die Amerikaner fanden heraus, wie das Schema umgesetzt werden sollte, und die erste funktionsfähige Version, vor allem ein massenhaft hergestellter anwendbarer Impfstoff, wurde in der Sowjetunion produziert. Dieser Impfstoff unterdrückte hervorragend mehrere Ausbrüche von Polio sowohl in der Sowjetunion als auch in Japan und Chile. Das in der Sowjetunion entwickelte Impfschema wurde in die USA übernommen. Heutzutage gibt es leider zwei Länder, Pakistan und Afghanistan, in denen Poliomyelitis immer noch bestehen bleibt.
- Die westliche Presse schreibt über die Unzuverlässigkeit des russischen Impfstoffs, einige schreiben sogar über den Schaden. Welche Meinung vertreten Sie als Spezialist? Sind solche Publikationen gerechtfertigt?
Sie sind aus einem einfachen Grund absolut nicht gerechtfertigt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Publikationen waren keine Informationen vorhanden, ob dieser Impfstoff schädlich war oder nicht. Alle Informationen über die Gefahren und 128 Nebenwirkungen stammen aus unglaubwürdigen oder falsch übersetzten Nachrichten.
- Warum wird unser Impfstoff in der westlichen Welt nicht akzeptiert, obwohl er bereits hergestellt wurde, während andere noch nicht existieren?
- Die Regulierungsbehörden jedes Landes haben ein reines finanzielles Interesse daran, ihr Land, ihren Hersteller, zu unterstützen. Die WHO selbst ist sogar sehr von ausländischen Spenden abhängig. Wenn ich mich recht entsinne, stammen 17 Prozent des WHO-Budgets von nationalen Gesundheitsausschüssen, und der Rest des Budgets besteht aus Spenden.
- Inwiefern ist unser Sputnik V-Impfstoff unter seinen Analoga wie dem Oxford-Impfstoff ChAdOx1 oder dem Impfstoff des chinesischen Unternehmens Sinovac wettbewerbsfähig?
- Der Hauptvorteil von Sputnik V besteht darin, dass der Impfstoff gibt, hier und heute existiert. Im Unterschied zu allen anderen, die eines Tages erforscht werden und danach funktionieren werden. Es kann ein humanitäres Instrument werden. Dies ist meine persönliche Meinung – die Meinung der Person, die seit 25 Jahren in diesem Bereich tätig ist. Das Wichtigste ist nicht die Höhe der Finanzierung, nicht die Höhe des Gesundheitsbudgets, sondern wie geschickt es einsetzt wird. Die amerikanische Medizin ist die teuerste der Welt, die theoretisch am weitesten fortgeschritten ist und auf ausländisches Personal angewiesen werden kann. Wenn die USA ausländische Spezialisten brauchen, laden sie sie einfach ein. Trotzdem sind die USA in dieser Coronavirus-Geschichte ins Stocken geraten. Zuerst erlitten die Europäer, Italien mit den Nachbarländern, den Schock von COVID-19, danach wurde Amerika das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land. Es gab fast 200.000 Opfer.
- Gibt es irgendwelche Komplikationen bei den Probanden, die mit dem russischen Impfstoff gegen das Coronavirus geimpft wurden?
Alles läuft nach Plan, es gibt keine schweren Komplikationen. Es gibt leichte Komplikationen, bei welchen man sich nach der Impfung müde fühlt. Zuerst wurde der Impfstoff in der zweiten Phase der klinischen Studien an den Menschen getestet, jetzt werden alle Bevölkerungsgruppen in Russland getestet. Dieser Impfstoff wird in einen Muskel injiziert, Muskeln hat jeder. Der Oberschenkelmuskel passt am besten.
- Sie haben vorhin gesagt, dass Sie auch an der Impfung teilnehmen möchten. Wie läuft dieser Prozess ab?
Ich habe schon teilgenommen. Der Prozess ist einfach. Man kann sich im State Services-Portal „Gosuslugi“ anmelden und danach soll man von der medizinischen Kommission untersucht werden. Falls man gesund ist, kann man an der Impfung teilnehmen.
Interview mit Michail Rogov